Als EMO liegen uns die Menschen im Orient am Herzen. Neben der Arbeit in Ägypten unterhalten wir besondere Kontakte zu Partnern im Sudan und in Tunesien und beten für die Menschen in der gesamten Region.

Zwei Staaten – eine Geschichte

Der Sudan gilt als Übergangsland zwischen der Arabischen Welt und Schwarzafrika. Die zwei Staaten „Republik Sudan“ und „Südsudan“ sind eng miteinander verbunden. Nach einem Referendum im Südsudan trennte sich dieser Teil vom Norden ab und wurde am 9. Juli 2011 unabhängig. Die Herausforderungen sind für beide Staaten groß. Der Norden muss auf einen Großteil der Einnahmen aus der Ölförderung verzichten, da die meisten Ölfelder im Südsudan liegen. Der Südsudan gilt als eines der am wenigsten entwickelten Regionen der Welt. An Weihnachten 2013 entzündete sich an einem politischen Machtkampf innerhalb der Regierungspartei ein brutaler ethnischer Konflikt, in dessen Verlauf bisher Tausende ums Leben kamen. Auch im Nordsudan tobt schon seit Jahren ein Bürgerkrieg in den Regionen Darfur, Südkordofan (Nubaberge) und in der Region am Blauen Nil.

Muslime im Sudan

Im 7./8. Jahrhundert drang der Islam von Arabien her in das Gebiet des heutigen Sudan ein. Die Menschen des Niltals von Assuan bis zum Zusammenfluss des Blauen und des Weißen Nils waren vom 6. bis zum 15. Jahrhundert Christen. Danach wurde der Einfluss des Islam so groß, dass die Bevölkerung innerhalb von 100 Jahren fast ausschließlich muslimisch wurde. Der Islam drang weiter nach Westen und Süden vor. Die Menschen im Süden des Landes (ca. 1/3 des gesamten Sudan) blieben aber bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem Anhänger der traditionellen afrikanischen Religionen. Seit der Unabhängigkeit 1956 bemühte sich der islamische Norden um eine Islamisierung des Südens. Ein blutiger und für beide Seiten verlustreicher Bürgerkrieg war die Folge, der erst 2005 durch ein Friedensabkommen beendet wurde.

Kennzeichnend für den sudanesischen Islam sind die zahlreichen mystischen Bruderschaften, welche auch auf das politische Leben einen starken Einfluss ausüben. Der Nubier Mohammed Ahmed El-Mahdi vertrieb am Ende des 19. Jahrhunderts in einem Volksaufstand die vereinten Türken, Ägypter und Briten und wurde zum bekanntesten muslimischen Führer und Nationalhelden. Ein Urenkel des Mahdi, Sadiq al-Mahdi, ist Führer der Bruderschaft der Mahdisten und der Umma-Partei und war von 1986 bis 1989 Ministerpräsident. Seit 1989 ist das Land unter einer fundamentalistischen Regierung.

Christen im Sudan

Im 19. Jahrhundert wanderten Christen aus Ägypten (orthodoxe und evangelische Kopten) in den Sudan ein und gründeten Gemeinden und Kirchen. Ab 1900 erlaubte die britisch-ägyptische Kolonial-Regierung ausländische Missionsarbeit im Südsudan und in den Nuba-Bergen im Westen. Durch Verkündigung des Evangeliums in Verbindung mit Schulunterricht und Gesundheitsfürsorge entstanden Gemeinden und Kirchen unter den Menschen, die aus den traditionellen Religionen kamen. Nur wenige Muslime wurden Christen.

Viele Christen flohen wegen der beiden Bürgerkriege (1956-1972 und 1983-2005) aus ihrer Heimat im Südsudan und in den Nuba-Bergen und ließen sich im Norden oder in den Nachbarländern nieder. An vielen Orten im Nordsudan bildeten diese Vertriebenen neue Gemeinden. Der Großraum Khartoum wurde zu einem Zentrum für die Aktivitäten der christlichen Kirchen, z. B. im Bereich der theologischen Ausbildung, Bibelübersetzung, Medienarbeit und von Schulungen. Mittlerweile sind viele der Südsudanesen wieder in ihre Heimat  zurückgekehrt. Im Südsudan spielen die Kirchen eine wichtige Rolle beim Aufbau des Landes; im Norden müssen sich die Christen weiterhin in ihrer Situation als Minderheit behaupten. Viele Aktivitäten der christlichen Gemeinden sind mittlerweile stark eingeschränkt.

Aktuelle Anliegen zum Gebet

Beide Staaten, die Republik Sudan und der Südsudan, brauchen Frieden und Versöhnung, um die tiefgehenden ethnischen, religiösen und politischen Konflikte lösen zu können. Im Südsudan und in vielen Regionen des Sudan leben die Menschen in bitterer Armut und brauchen umfassende Hilfe in ihren vielfältigen sozialen, materiellen und geistlichen Herausforderungen. Es ist ein Anliegen, dass Menschen Jesus Christus begegnen und von ihm verändert werden. Viele der Christen im Sudan haben ein starkes Anliegen, sich den sozialen und geistlichen Herausforderungen ihres Landes zu stellen und sich für das Wohl der Gesellschaft einzusetzen, obwohl sie unter starkem Druck stehen.