1900

Gründung der SPM

(Sudan Pionier Mission)

Wir schreiben das Jahr 1900. Vor zwei Jahren ging der Krieg der ägyptisch-britischen Armee von General Gordon gegen den Mahdi-Aufstand zu Ende. Die Region kommt langsam wieder zur Ruhe. Christen in Europa, denen die Missionsarbeit im Inland Afrikas auf dem Herzen liegt, machen sich viele Gedanken, wie das Licht des Evangeliums von Jesus Christus den Menschen in den Ländern am Nil und westwärts Richtung Niger gebracht werden kann. „Der Große Sudan“ wird diese Region genannt, heute nennt man sie die Sahel-Zone. Im Januar 1900 treffen auf dem Postamt in Schellal – einem kleinen Ort südlich von Assuan in Oberägypten – überraschend einige Personen zusammen, von denen sich einige vorher schon kannten: Der zu Jesus Christus bekehrte Muslim und ägyptische Nubier Samuel Ali Hussein, der irische Evangelist und Missionslehrer Dr. Henry Grattan Guinness, dessen schriftstellerisch begabte Tochter Lucy Guinness, sowie deren Verlobter, der junge deutsche Afrikamissionar Karl W. Kumm. Später spielte noch eine entscheidende fünfte Person eine wichtige Rolle, der Wiesbadener Pfarrer Theodor Ziemendorff, eine führende Person in der deutschen Gemeinschaftsbewegung. Die vier, die sich da ganz im Süden Ägyptens trafen, sahen diese Begegnung als von Gott geführt an und beschlossen direkt vor Ort, eine Missionsgesellschaft zu gründen, die sie „Sudan Pionier Mission“ (SPM, heute EMO) nannten. Damit nahm die Geschichte dieses Missionswerkes ihren spannenden Lauf, der bis heute anhält.

1913

Bau des Krankenhauses in Assuan

1914

Beginn des ersten Weltkrieges

Mitarbeiter verlassen Ägypten

Zwischen 1914 und 1950 ging die EMO durch tiefe Krisen. Für zweimal zehn Jahre musste sie ihre Tätigkeit in Oberägypten bedingt durch die Weltkriege unterbrechen (1914 bis 1924 und 1939 bis 1950). Dadurch wurde der Schweizer Freundeskreis zu einem selbstständigen Missionswerk, das lange mit dem Wiesbadener Werk partnerschaftlich zusammenarbeitete, nach dem Zweiten Weltkrieg aber außerdem eigene Arbeitsgebiete im Nordsudan und in Eritrea übernahm. Auch in Deutschland blieb das Werk nicht vor Turbulenzen verschont. Sie hingen zum einen mit der nationalsozialistischen Diktatur, zum anderen mit internen Leitungsproblemen zusammen. Konstanten blieben in dieser unruhigen Zeit nur die Arbeit des Wiesbadener Marienhauses und der Vorsitz von Wilhelm Ziemendorff (1913-1948). Allerdings entfernte sich die Wiesbadener Mission im Lauf der Zeit weiter von ihren evangelikalen Wurzeln und betonte ihre Verbundenheit mit der Evangelischen Kirche.

1919

Samuel Ali Hussein wird zum Ältesten gewählt

1923

National Bank of Egypt verkauft deutsches Eigentum

1925

Rückübertragung des Besitzes an die SPM

1926

Eröffnung Koschtamme als erste Station in Nubien

1931

Inbetriebnahme der Poliklinik

1935

Die Station Koschtamne versinkt im angestauten Nil

1939

Ausbruch des 2. Weltkrieges

Mitarbeiter der Mission müssen Ägypten verlassen

1945

Häuser in Wiesbaden werden von Bomben getroffen und beschädigt

1945

Ende des 2. Weltkrieges

Es ist verständlich, dass die Mitarbeiter nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst einmal da anknüpften, wo die Arbeit 1939 abgebrochen worden war. Da aus der Arbeit bisher keine Gemeinden entstanden waren und die Mission ihre Arbeit nicht in eine einheimische Kirche integriert hatte, wurde das alte Ziel des evangelistischen und helfenden Dienstes unter der muslimischen Bevölkerung wieder aufgenommen. Dabei musste man ganz pragmatisch vorgehen. Es war nicht die Zeit, große Konzeptionen für die Zukunft zu entwickeln. Während die medizinisch-pflegerische Arbeit und die evangelistische Verkündigung im Rahmen der sich bietenden Möglichkeiten fortgesetzt wurden, war es nicht möglich, die Schularbeit wieder aufzunehmen. Zur pragmatischen Fortführung der Arbeit kam bald die Sorge um das Weiterbestehen überhaupt. Die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen erschwerten die Arbeit immer mehr und drohten, sie ganz zum Erliegen zu bringen. Das kleine Werk in Oberägypten stand gewissermaßen mit dem Rücken zur Wand. Die Frage war, ob und wie es überleben konnte. Die Mitarbeiter rechneten jederzeit mit Ausweisung und Beendigung der Arbeit. Es war jedes Mal ein Wunder, wenn ein frei werdender Mitarbeiterplatz mit Zustimmung der Behörden wieder besetzt werden konnte. Natürlich beschäftigten sich die Verantwortlichen mit der Frage, ob die einheimische Evangelisch-Presbyterianische Kirche die Arbeit übernehmen sollte. In europäischen Missionskreisen wurde die Integration der Mission in die Kirche damals gefordert und gefördert. Aber die nach Ägypten entsandten Mitarbeiter wehrten sich dagegen. Sie bezweifelten zu Recht, ob die evangelische Kirche bereit wäre, durch die medizinische und die verkündigende Arbeit den Muslimen zu dienen und Muslime in die Nachfolge Christi einzuladen. Man befürchtete aber auch, dass eine Integration in Ägypten die Freundeskreise in Europa erlahmen lassen würde und eine Integration der Mission in europäische Kirchen ihr das Ziel der Bekehrung von Muslimen nehmen würde.

1950

Rückkehr deutscher Mitarbeiter nach Ägypten

1953

Namensänderung in Evangelische Mission in Oberägypten (EMO)

1960

Ein modernes Schwesternhaus wird errichtet

1969

Besetzung von Krankenhaus und Schwesternhaus durch das ägyptische Militär

1970

EMO wird Teil der Schularbeit in Tunis

1975

Orientdienst wird ein eigenständiger Verein

1979

Erste Krankenschwester der EMO reist in den Sudan aus

1979

EMO wird Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Mission (AEM)

1988

Dr. Samir Sarofim wird erster ägyptischer Chefarzt

1989

Registrierung des Evangelischen Krankenhaus Assuan

1990

Eröffnung der Klinik in Ballana

1990

Umbenennung der EMO in Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten e.V.

1999

Beginn der Arbeit in Scheich Haroun

Ende der 90er

Dienst im Ausland

Gegen Ende der 1990er Jahre war der Dienst ausländischer Krankenschwestern
in Dongola erst einmal zum Erliegen gekommen. Die Anästhesistin Dr. Dorothea Loock war von Ende April bis Anfang Juni 1999 von Gertrud Wilken in die Kultur und das Leben in Dongola eingeführt worden und lernte danach in Khartum Arabisch. Ab dem Frühjahr 2000 arbeitete sie zunächst im Krankenhaus in Abri als Ärztin mit. Ihre Anerkennung als Anästhesistin und die Erlaubnis, in Dongola als solche zu arbeiten, wurde leider nicht gewährt. Die Situation des Krankenhauses in Abri hatte sich mittlerweile verändert. Bis 1993 war der Aufenthalt und die Behandlung kostenlos und deshalb das Krankenhaus gut belegt. Als die Subventionen für die Krankenhäuser 1993 landesweit gestrichen wurden, konnte dies zunächst in Abri durch die gute Arbeit des damaligen Arztes aufgefangen werden. Seit 1998 war jedoch ein starker Rückgang der Patientenzahlen zu verzeichnen. Private Gesundheitsdienste wurden aufgebaut, oft mit mangelhafter Ausbildung der Mitarbeiter. Die Mitarbeiterinnen der EMO konnten in dieser Situation den Patienten folgende Dienste anbieten: Freie Behandlung für Arme, freie Ernährung für kleine Kinder (Milch, Eier, Brei), Erfahrung, Pflege und Zuwendung. Langfristig stellte sich ihnen jedoch die Frage, wie die Arbeit weitergehen könnte. Mitarbeiterinnen, die ihre Gaben und Aufgaben im medizinischdiakonischen Bereich sehen, würden sich auf Dauer in Abri fachlich unterfordert fühlen.

Ende 90er

Dienst in Deutschland

Der nach der Jahrtausendwende in der EMO weiterentwickelte Missionsauftrag unter Arabischsprachigen und anderen Einwanderern steht in der Tradition des von Willi Höpfner 1963 gegründeten Orientdienstes und knüpft an die Ausweitung dieser Arbeit auf Migranten allgemein in den 1960er und 70er Jahren an. Zugleich hat die heutige Missionsarbeit in Deutschland ihren Ursprung bereits in der volksmissionarischen Tätigkeit des Marienhauses und dem gesamten Umfeld der SPM während ihrer ersten Jahrzehnte in Wiesbaden. Aus diesen Wurzeln ist in den Jahren nach dem Millenniumswechsel viel Frucht entstanden. Im  euen Jahrtausend setzten die beiden Mitarbeiter, Elia Morise und Ahmad Ziad Turkamani, ihren fruchtbaren Dienst unter Arabischsprachigen, den sie in den 1990er Jahren begonnen hatten, fort. Sie hatten damals schon an Aktivitäten früherer Missionare (Dr. Renate Fritz, Eberhard Troeger u. a.) angeknüpft.

2005

Dr. Kamil Shukrallah wird als erster Ägypter Teamleiter der Al-Germaniyya

2009

Ausbildungsprogramm für Allgemeinärzte beginnt

2009

Spatenstich für Anbau des Krankenhauses

2013

100-jährige Jubiläum Krankenhaus

2023

Beginn: Dienst unter Geflüchteten Sudan

Missions- und Kirchengeschichte im Orient

    Kontakt

    EMO Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten e. V. - Evangelische Mission in Oberägypten

    Walkmühlstr. 8
    65195 Wiesbaden
    Tel.: 0611 403995
    info@EMO-Wiesbaden.de

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